Instant Aging

Im deutschen Sprachraum wurde die Formulierung ‚Instant Aging’ erstmals Anfang der 90er Jahre durch R. Heinrich geprägt, der in Zusammenarbeit mit dem damaligen Institut für Praktische Geriatrie, Grünwald und dem Städtischen Krankenhauses München-Neuperlach ein Verfahren entwickelt hatte, um Studenten, Ärzten und Praxispersonal die Möglichkeit zu geben, Einschränkungen des Alters selbst erleben zu können. „Alle Teilnehmer erhalten die Möglichkeit, ihre Seh- und Hörfähigkeiten einzuschränken, was mit Hilfe verschmierter Brillen oder durch Ohrstöpsel erreicht werden kann. Schuhe, die Erbsen enthalten, sowie elastische Binden um Gelenke erschweren die Mobilität, Gummihandschuhe und –fingerlinge beeinträchtigen die Empfindungsmöglichkeit. Diese einfachen Manipulationen sollen in ihrer Summe zu einem artifiziellen Alterungsprozess führen, der als Instant Aging bezeichnet wird“ (Heinrich (1993)).

Instant Aging Selbsterfahrung als effektive Methode des Lernens

Das in den USA im Jahre 2006 für Medizinstudenten entwickelte sogenannte „aging game“, welches dem instant aging Konzept ähnlich ist, konnte zeigen, dass es sich bei der Selbsterfahrung um eine effektive Methode des Lernens handelt, welche zu mehr Empathie und einer positiveren Einstellung gegenüber dem Alter führt.

Steigerung von Empathie durch Instant Aging

Instant Aging Anzug Age Explorer Alterssimulationsanzug

DW: Instant Aging With a Wearable Time Machine

Unter dem Begriff Empathie versteht man die Fähigkeit und Bereitschaft, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen.

Instant Aging erlaubt Perspektivenwechsel

Um sich in ältere Menschen hineinzuversetzen und ihr Verhalten zu verstehen, ist ein Perspektivenwechsel unerlässlich. Ziel eines Perspektivenwechsels ist es, anschliessend sein eigenes Verhalten entsprechend den Bedürfnissen des älteren Menschen anzupassen. Billmann-Mahecha (1988) betont, dass es dabei ganz wesentlich sei, dass man die Perspektive des anderen einnimmt – in dessen „Haut schlüpft“ – und so die emotionalen Reaktionen begreifen kann.

Instant Aging: mit AgeExplorer® oder AgeMan® in die Haut des älteren Menschen schlüpfen

Die Instant Aging Anzüge des Meyer-Hentschel Instituts ermöglichen es, innerhalb von wenigen Minuten „in die Haut eines älteren Menschen zu schlüpfen“ und damit mögliche Einschränkungen des Alters selber zu erleben und in die Wahrnehmungs- und Erfahrungswelt älterer Menschen einzutauchen.  AgeExplorer® und AgeMan® sorgen dadurch für einen Blickwechsel und fördern die Empathie. Das Meyer-Hentschel Institut, Saarbrücken/ Zürich, gehört zu den Pionieren im Bereich des Instant Aging: Bereits im Jahre 1985 begann das Institut mit Forschungsprojekten zum Thema Instant Aging. 1994 wurde der erste AgeExplorer® Instant Aging Anzug der Presse vorgestellt.

Prof. Dr. Dr. h.c. Ursula Lehr, Bundesministerin a. D.
„Trotz aller Betonung der interindividuellen Aspekte gibt es bestimmte Merkmale und körperliche Veränderungen, die bei vielen – nicht bei allen – Seniorinnen und Senioren mit zunehmendem Alter gehäuft auftreten. Hier erweist sich der von Meyer-Hentschel entwickelte AgeExplorer als sehr hilfreich.“

Der AgeExplorer® Instant Aging Anzug: 

Instant Aging Anzug Age Explorer

Instant Aging als Selbsterfahrung: Der Instant Aging Anzug AgeExplorer des Meyer-Hentschel Instituts ermöglicht es innerhalb von wenigen Minuten in die Haut eines älteren Menschen zu schlüpfen, mögliche Einschränkungen des Alters am eigenen Körper zu spüren und damit in die Welt eines älteren Menschen einzutauchen. / Grafikelemente: Markus Kluger.

 

Einsatzgebiete von Instant Aging mit dem AgeExplorer®

Instant Aging in der Aus- und Weiterbildung von Medizin Studenten und Ärzten

In Zukunft werden Ärzte mit immer älteren Patienten zu tun haben, was ein Empathie-Training sehr wichtig macht: Bei älteren Patienten funktionieren gelernte Kommunikationsmuster nicht mehr so gut aufgrund visueller und auditiver Einschränkungen. Da die Kommunikation mit den Patienten jedoch ein sehr wichtiges Element darstellt, ist es von hoher Bedeutung, dass sich Ärzte in die Rolle ihrer Patienten hineinversetzen können. Dies bietet ihnen die Möglichkeit, zu lernen, sich geduldig und mit Einfühlungsvermögen zu verhalten. Hierbei hat die Erfahrung am eigenen Körper einen grösseren Nutzen als die reine Vermittlung von Wissen (Koytek (2008)).

Charite Berlin Age Man Alterssimulationsanzug

Charite Berlin: Alt-Sein auf Probe.

Instant Aging – Charité Berlin
„In ihrem späteren Arbeitsleben werden angehende Medizinerinnen und Mediziner mit immer mehr älteren Patienten konfrontiert sein. Vom Alterserforschungsanzug erhoffen wir uns eine Sensibilisierung der Studierenden für die Lebenswelt älterer Menschen“ Dr. Rahel Eckardt, Forschungsgruppe Geriatrie am Evangelischen Geriatriezentrum Berlin (EGZB).

Instant Aging – Lehrstuhl für Geriatrie der Universität zu Köln
„Wir folgen an der Universität in Köln neuen Ausbildungskonzepten bei den Medizinstudenten und versuchen den angehenden Ärzten näher zu bringen, dass man in absehbarer Zeit mit Patienten zu tun hat, deren körperliche Fähigkeiten deutlich eingeschränkt sind.“ Univ.-Prof. Dr. med. Ralf-Joachim Schulz, Lehrstuhl für Geriatrie der Universität zu Köln. (Quelle: WDR, Mittwochs live, 15.12.10)

Instant Aging in der Aus- und Weiterbildung von Pflegeberufen

Instant Aging Workshops sind im Rahmen von Personalschulungen für Pflegepersonal von Kliniken und Senioreneinrichtungen zu einem wichtigen Thema geworden. Dabei kann der AgeExplorer® eine Brücke zwischen den Generationen schlagen: durch den Perspektiven-Wechsel wird es dem Pflegepersonal ermöglicht, innerhalb von wenigen Minuten in die Rolle ihres älteren Patienten zu schlüpfen und einige seiner Einschränkungen am eigenen Körper zu erfahren, was zu mehr Geduld, Einfühlungsvermögen und Empathie beim Umgang mit älteren Menschen führt.

Darüber hinaus hat Instant Aging eine grosse Bedeutung bei

Kreativ-Workshops für

–      Produktentwickler und Verpackungsdesigner

–      Marketing- und Kommunikationsverantwortliche

–      Planer und Architekten

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Quellen
Billmann-Mahecha, E. (1988), “Egozentrismus und Perspektivenwechsel”, Göttingen, Hogrefe Verlag.
Heinrich, R. (1993), „Instant Ageing- Eine Viertelstunde 70 sein“, Institut für Praktische Geriatrie und Trommsdorff GmbH & Co. Arzneimittel.
Koytek, B. (2008), „Instant Aging – Ein neues Kurskonzept für den allgemeinmedizinischen Unterricht“, Dissertation, Medizinische Fakultät der Georg-August-Universität zu Göttingen.
Wendlandt, T. (2009), „Im Alterssimulationsanzug altern in Sekundenschnelle“,  Onmeda, http://www.onmeda.de/gesund/medizin/alterssimulationsanzug-969.html.